Rechtsprechungsübersicht - Erbrecht

Erbrecht soll modernisiert werden
Am 30.01.2008 hat das Bundeskabinett den von der Bundesjustizministerin vorgelegten Gesetzentwurf zur Änderung des Erb- und
Verjährungsrechts beschlossen. Dies sind die wichtigsten Eckpunkte:
- Pflegeleistungen sollen beim Erbausgleich berücksichtigt werden
Es soll eine Stärkung von Angehörigen des Erblassers erfolgen, die diesen gepflegt haben. Bisher haben sie nur unter schwierigen
Voraussetzungen einen finanziellen Ausgleich erhalten. Nunmehr sollen Änderungen im Erb- und Pflichtteilsrecht vorgenommen
werden, die Vorgaben zur Berechnung der Höhe des finanziellen Ausgleichs enthalten. So soll § 2057b Abs. 2 BGB zukünftig
auf die Sätze des § 36 Abs. 3 SGB XI verweisen, wonach pro Monat Pflegeeinsatz für die Pflegestufe I 384 EUR, für die Stufe II
921 EUR und für die Stufe III 1432 EUR anzusetzen wären.
- Lebzeitige Schenkungen
Die Testierfreiheit des Erblassers soll gestärkt werden. Wenn der Erblasser etwas an sein Kind zu Lebzeiten schenkt, muss er derzeit
vor oder mit der Schenkung erklären, dass der Wert der Schenkung auf den Erbteil bzw. den Pflichtteil anzurechnen ist. Nach
neuem Recht soll dies auch noch nachträglich in einem Testament geschehen können. Diese Neuerung ist für die Praxis wichtig,
da bei beschenkten Kindern oftmals die Dankbarkeit über das Geschenk rasch in Vergessenheit gerät.
- Erbausschlagung
Die als "gefährlichste Norm des Erbrechts" bezeichnete Bestimmung soll entschärft werden, um einem Erben die Entscheidung über
die Ausschlagung der Erbschaft zu erleichtern. Die Änderung soll ein Mindestmaß am Nachlass sicherstellen und so den "Super-Gau"
ausschließen. Zu erwarten sind künftig häufiger Erbausschlagungen - für die aber die viel zu kurze Frist von 6 Wochen nicht verlän-
gert werden soll.
- Pflichtteilsentziehung
Der Entziehungsgrund "ehrloser und unsittlicher Lebenswandel" soll entfallen (§ 2333 Nr. 5 BGB). "Entfremdung" oder "Familien-
zerrüttung" sollen weiterhin nicht zur Pflichtteilsentziehung berechtigen. Dagegen soll es einfacher werden, straffällig gewordenen
Abkömmlingen den Pflichtteil zu entziehen. 
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